Autor: Johanna (Seite 4 von 4)

Nix Weihnachtsstimmung

Lampe Johanna voll

So richtig ist Weihnachten bei mir in diesem Jahr noch nicht angekommen. Draußen scheint die Sonne und so richtig kalt war es nur in meiner Wohnung als ich nach drei Tagen auf Reisen wieder zurückkam. Und eben jene Reise trägt zu meiner bedrückten Stimmung bei. Es war gewissermaßen eine Reise in die Vergangenheit – meine Studienzeit – und zu einigen der Menschen, die ich damals kennengelernt und in mein Herz geschlossen habe.

Mittlerweile arbeiten wir alle mehr oder weniger in ganz unterschiedlichen Richtungen und haben mehr oder weniger Kinder mit unterschiedlichen Macken und Talenten. Eines war aber gravierend: Ob alleinerziehend oder in Pärchenformation, Single und/oder auf Sinn-/Jobsuche, alle waren unheimlich erschöpft und kraftlos – immer an der Grenze zwischen Selbstausbeutung und Erwartungsdruck. Ich habe selten so tiefe Schatten unter den Augen meiner Freunde gesehen. Im besten Fall freuten sie sich auf die anstehenden Feiertage, im schlimmsten bedeutete das nur noch mehr Stress. Individuelle Lösungsstrategien sind dann nicht selten geprägt von übermäßigen Fernseh- und Alkoholkonsum.

Was passiert da gerade? Ich frage mich natürlich auch nicht zum ersten Mal, wie vor allem Kinder und Beruf unter einen Hut zu bekommen sind. Ich glaube nicht, dass wir plötzlich alle zu Weicheiern geworden sind, die einfach mal die Zähne zusammen beißen müssten um das alles auf die Reihe zu bekommen. Für 2014, bzw. die nächsten vier Jahre,  habe ich jedoch keine großen Hoffnungen, dass sich die strukturellen Probleme, die auch hinter den Augenringen stecken, zum Positiven verändern. In diesem Sinne: Semifrohe Weihnachten allerseits. Ich geh jetzt trinken und guck nen Film.

Das Coworking-Modell als Internationaler Projekttransfer in der Netzwerkgesellschaft

Morgens geht’s mit dem Carsharing-Auto zum Flughafen – gebucht über die App auf dem Smartphone. Die Konferenz in Bulgariens Hauptstadt wäre sicher auch via Livestream spannend gewesen, aber so teuer ist das Zimmer bei Milena nicht – gebucht über die entsprechende App. Am nächsten Tag bleibt noch etwas Zeit für einen Kaffee im Betahaus Sofia: Mails checken, die Präsentationen mit der Creative Commons-Lizenz hochladen, den passenden Blogbeitrag schreiben, vielleicht noch den Wikipedia-Artikel zum Thema kurz überarbeiten?

Wir leben in einer Netzwerkgesellschaft. Kollaborativer Konsum und Soziale Medien gehen Hand in Hand. Wir produzieren und konsumieren gleichermaßen. Wir teilen vielleicht nicht alles, aber vieles: Statusmeldungen, Wissen und letztendlich immer öfter den Arbeitsplatz – in sogenannten Coworking Spaces.

Dort kann jede und jeder einen temporären Arbeitsplatz auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis mieten. Die Infrastruktur wird von den Be­treiberInnen des jeweiligen Coworking Spaces gestellt. Die­se variiert in Ausstattung und Preis. Auch die Intentionen und Vorstellungen zur Zu­sammenarbeit variieren stark. Der Grad der Vergemeinschaftung und das Ausmaß der virtuellen und realen Vernetzung der Mitglieder ist unterschiedlich ausgeprägt, aber immer ein elementarer Bestandteil der Coworking-Bewegung. Nach neuesten Erkenntnissen von Deskmag, dem Online-Magazin rund um Coworking und seine Räume, öffnete im Juli der 3000. Coworking Space seine Türen (im März 2012 waren es noch 1700). Die Branche boomt.

Es gibt unheimlich viele verschiedene Varianten der Umsetzung des Coworking-Modells. Die globale Coworking Landschaft ist ausdifferenziert und reicht von kleinen individuellen (Atelier-) Räumen mit angegliederten Cafés bis hin zu großen professionellen Bürokomplexen. Viele Coworking Spaces sind branchenorientiert, teilen aber alle gemeinsame Wertevorstellungen: Zusammenarbeit, Offenheit, Gemeinschaft, Zugang und Nachhaltigkeit (Collaboration, Openness, Community, Accessibility, and Sustainability. Quelle: coworking.com).

Von Anfang an mit dabei waren das Gründer-Team des Betahauses Berlin und die vielen Köpfe, die sich hinter der HUB-Bewegung verbergen. Beide sind bis heute stetig gewachsen, mit Höhen und Tiefen, und stellen spannende Beispiele für den internationalen Projekttransfer dar.

Betahaus: Erst ein, dann zwei, dann fünf, jetzt vier

Das erste Betahaus öffnete 2009 am Berliner Moritzplatz seine Türen zu 2000qm Arbeitsraum auf mehreren Etagen als eine GmbH & CO. KG. Neben flexiblen gibt es auch feste Arbeitsplätze sowie kleine Office-Bereiche für Teams oder größere Besprechungsräume. Dort finden Freiberufler und Angestellte externer Firmen genauso ein Zuhause wie einige von Berlins aufstrebenden Startups. Für größere Veranstaltungen gibt es ebenfalls Platz. Ein Herzstück des Betahauses ist das Café im Erdgeschoss, wo auch nicht-Mitglieder in den Genuss der kreativen Arbeitsatmosphäre kommen können. Die Community tauscht sich in eigenen Workshops, Vorträgen und verschiedenen Veranstaltungsformaten aus. Ein besonderes Extra in Berlin: Die Open Design City, ein Werkstattbereich, der nicht nur Designerherzen höher schlagen lässt.

Neben Berlin gibt es weitere Ableger in Köln und Hamburg. Darüber hinaus gibt es Filialen in Sofia und Barcelona. Der Transfer funktioniert hier über gemeinsame Werte und Vorstellungen vom gemeinsamen Arbeiten. Während in der Coworking Space in Barcelona gerade erst eröffnet wurde, haben die Teams in Köln und Hamburg mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Kölner Betahaus schließt im April

Im Frühjahr 2013 konnte in Köln die Insolvenz der betahaus Köln GmbH & CO. KG nicht mehr abgewendet werden. Die Sanierungsmaßnahmen im Zuge des Insolvenzverfahrens scheiterten gleichermaßen wie die Suche nach einem neuen Objekt. Nach eigenen Angaben war das Modell nicht rentabel, das Team ausgelaugt und es gab Probleme mit dem Vermieter. Rettungsaktionen der Community scheiterten, zeigten aber einen starken Zusammenhalt.

Hamburg vorerst gerettet

Auch das Betahaus Hamburg musste Mitte diesen Jahres Insolvenz anmelden, konnte aber seine Türe vorerst für die CoworkerInnen offen halten. Als Grund wird immer wieder die Konkurrenzsituation angegeben. Im Rahmen dieser vorläufigen Insolvenz wurde die hub23 coworking UG gegründet. Gemeinsam mit neuen InvestorInnen und neuen Strukturen bleibt das Betahaus Hamburg vorerst am alten Standort erhalten, plant aber einen Umzug im nächsten Jahr. Mit einer neuen Tarifstruktur soll ein größeres Augenmerk auf Events und langfristige Mitgliedschaften gelegt werden. Auch hier wurde klar, dass hinter dem Coworking Space eine starke Community steht, die sich in einem offenen Brief an die Insolvenzverwalter wandten.

Impact-Hubs: Gelungener Transfer mit Standortabhängigkeit

Auch bei der Hub-Bewegung gibt es Höhe und Tiefen. Mittlerweile gibt es über 40 Hubs auf fünf Kontinenten. Weitere stehen in den Startlöchern. Dabei funktioniert das Social Franchise über die internationale Marke als Dach aller Hubs weltweit: die Impact HUB GmbH mit Sitz in Wien. Um ein eigenes Hub zu eröffnen unterliegen die potenziellen GründerInnen der einzelnen Filialen Regeln und jährlichen Gebühren, die je nach Standort variieren. Dafür haben sie aber vollen Zugang zur “Basisstation” inklusive Beratung und Corporate Design.

Das erste Hub wurde 2005 in London gegründet. Dort gibt es nun schon drei Filialen. Dabei sind alle einzelnen Hubs eigene Firmen. Im Zuge der #HelloImpact-Kampagne werden alle “alten” Hubs zu sogenannten Impact Hubs. Die Hauptzielgruppe bleiben weiterhin SozialunternehmerInnen, die mit ihren Ideen die Welt ein bisschen besser machen wollen.

In Deutschland gibt es momentan zwei Impact Hubs. Nachdem ein erster Anlauf in Berlin scheiterte, befindet sich das neue GründerInnenteam noch in der Startphase. Mitglieder werden trotzdem schon geworben. Das Hub München hingegen ist schon gut besucht. Hier soll ein Zentrum für soziale Innovation und gemeinwohlorientiertes Wirtschaften entstehen. Arbeitsplätze und Räume für Events aller Art stehen den Mitgliedern seit Februar 2013 zur Verfügung.

Das Modell Coworking ist im Zuge der Reorganisation von Arbeit in der Wissens- und Netzwerkgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Dabei gibt es nicht nur Erfolgsgeschichten – wie in allen innovativen Bereichen. Die nächsten Jahre werden zeigen ob Coworking mehr als nur eine Antwort auf die Wirtschaftskrise ist und die unterschiedlichen Modelle nebeneinander koexistieren können. Eins ist schon jetzt klar: Viele der Start-Ups, die uns die Möglichkeiten zu kollaborativer Arbeit und Konsum bieten, haben ihren Ursprung in Coworking Spaces.

Coworking leipzig Johanna Voll

Leipziger Coworking Space Rockzipfel

Dieser Beitrag erschien auch auf www.opentransfer.de.

#20 facts about me: Johanna

Knete Johanna VollDer Virus, der sich neben den alltäglichen wetterbedingten Bazillen da draußen, durch die Bloglandschaft schlängelt, hat auch mich befallen. Also dann mal los.

1. Ich liebe Macarons. Noch toller wäre es aber wenn es die auch in vegan gäbe. Rezepttipps bitte sofort zusenden.

2. Ich mag das Gefühl in der Badewanne liegen zu bleiben und das Wasser abzulassen.

3. Während meiner mündlichen Masterprüfung habe ich erfahren, dass der Bildungsaufstieg auch mit der Anzahl der Bücher zusammenhängt, die eine Familie im Haus hat (Beispiel, Seite 13). Ich geh dann mal einkaufen.

4. Die eigenen Kinder sind die Schönsten.

5. Ich sage, dass ich gerne ins Fitnessstudio gehe, meine aber Sauna + Dachterrasse.

6. Mein Geschirr ist zu großen Teilen selbstgemacht, der Rest von IKEA.

7. Ich hab jahrelang in Mathe Nachhilfe gegeben und dadurch ein elementares Grundverständnis beibehalten. PISA ich komme!

8. Selten gebe ich mehr als zwanzig Euro für ein Kleidungsstück aus. Dafür hab ich aber viel zu viele.

9. Das Chaos um mich herum spiegelt nicht mein Inneres wieder: Ich liebe klare Strukturen und Pläne. Und To-Do-Listen! Die hab ich überall: auf Zetteln, an der Wohnungstür, an Tafeln und in Notizbüchern.

10. Als Wahlberlinerin bin ich täglich wieder neu fasziniert von dieser Stadt, außer im Winter – da könnt ich nur kotzen.

11. Alles was im entferntesten mit Haushalt zu tun hat ist nicht mein Ding.

12. Ich spiele beinahe täglich mit dem Gedanken in wärmere Gefilde auszuwandern. Bei so einem miesen Wetter wie heute: stündlich.

13. Die elfte Klasse habe ich zweimal gemacht: deutsch und amerikanisch. #Austauschjahr

14. Gleich nach Chemie habe ich Biologie abgewählt. Zum Glück ging das damals noch.

15. Als Kind wollte ich Tierärztin werden, später dann Maskenbildnerin am Theater. Eigentlich will ich das immer noch und war eine ganze Zeitlang als freiberufliche Kinderschminktante unterwegs. Der schönste meiner Nebenjobs weil von den Kindern ganz viel zurück kommt.

16. Ich schlafe äußerst schlecht in fremden Betten.

17. Meine beste Freundin kenne ich seitdem wir beide fünf waren und im selben Haus lebten. Nun ist es zumindest die gleiche Stadt.

18. Alle paar Monate muss ich das Meer sehen. Ostsee reicht.

19. Ich erledige jeden noch so kleinen Weg mit dem Fahrrad. Laufen ist einfach zu anstrengend – und langsam.

20. Ich erblickte an einem 29. Februar das Licht dieser Erde und bin nun ganze sieben Jahre alt.

Hiddensee 2013 Johanna Voll

OpenTransfercamp München und Berlin

Morgen setzen sich meine Übelkeit beim Autofahren und ich in einen kleinen Bus und fahren von Berlin nach München. Für alle, die schon am Vorabend Lust auf ein Treffen haben, sei das Warm-Up im Hub München wärmstens ans Herz gelegt. Am Samstag geht es dann im Strascheg Center for Entrepreneurship mit dem Barcanp zum Projekttransfer los. Wenn ihr dieses Mal nicht dabei sein könnt, könnt ihr uns auf der Social Wall folgen. Bislang gibt es schon viele spannende Sessionvorschläge – den fertigen Plan gibt’s auf der Social Wall.

Weil München ganz schön weit weg ist und es auch in unseren Breitengraden interessante Projekte und SozialunternehmerInnen gibt, findet schon Ende Oktober das nächste OpenTransfercamp statt. In der dazu gehörigen mixxt-Community könnt ihr euch schon jetzt anmelden.

Das (furchtbare) Wetter schlägt mir aufs Gemüt und daher bleibt mir nix anderes übrig, als diesen Post mit einer Herbstimpression aus meinen diesjährigen Ferien in der brandenburgischen Pampa zu beenden.

Herbstimpressionen Johanna Voll

Meine Entdeckungen 2013 reloaded: #OTC

„Gutes einfach verbreiten“ – so lautet das Motto der OpenTransfer CAMPs (OTC). Zum mittlerweile dritten Mal treffen sich im Oktober rund 100 ProjektemacherInnen um sich über ihre Erfahrungen rund um den aktiven Transfer von guten Ideen auszutauschen. Nach Berlin und Köln ist nun München an der Reihe. Das Ganze wird in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung von der Stiftung Bürgermut organisiert. Ich konnte beim letzten Mal selbst Zeugin der positiven Synergien und inspirierenden Ideen sein. Das offene Format des Barcamps bietet tolle Möglichkeiten Themen gemeinsam zu erarbeiten und vom Wissen der anderen TeilnehmerInnen zu profitieren. Alle Sessions werden, wie schon im Juni in Köln, ausführlich dokumentiert.

Mit diesen und weiteren Beiträgen soll Ende des Jahres ein gemeinschaftlich erstelltes E-Book zum Thema Projekttransfer veröffentlicht werden. Auf opentransfer.de schreiben AutorInnen aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Neben praktischen Tipps und Erfahrungsberichten, wächst hier eine ganz spezielle Wissensplattform, die in erster Linie ein Ort der Vernetzung sein möchte. Das Zusammenspiel vom Gedankenaustausch im Internet und den realen Treffen der ProtagonistInnen während der OpenTransfer Camps funktioniert gut: Erst durch das freie Teilen des Wissens werden kollaborative Weiterentwicklungen ermöglicht, die letztendlich allen wieder zugutekommen. JedeR kann hier einen Artikel beitragen. Ich zum Beispiel.

Der dritte Part des Geschehens rund um das OpenTransfer-Projekt, den ich euch vorstellen möchte, ist ein Tool, mit dem sehr einfach und klar strukturiert jedeR eine Online-Community erstellen kann. So könnt ihr euch auf mixxt.de kostenlos zu den Camps anmelden, Kontakte knüpfen und Sessionvorschläge vorab einreichen. Auch für kleinere Gruppen eignet sich das Tool sehr gut zur Vernetzung. Andere spannende Mixxt-Communitys sind zum Beispiel die Digital Media Women oder das Scicamp, bei dem es um die Verknüpfung von Social Media und Wissenschaft geht. Was für eine Überleitung zu einem meiner nächsten Posts, wobei es genau darum gehen wird!

Zuvor aber noch die Fakten zum #OTC2013 in aller Kürze:

Nächste OpenTransfer Camps:

12.10.2013 in München
23.11.2013 in Berlin

Zur Anmeldung
Zum E-Book

Open Transfer Camp Köln Juni 2013
Foto: Milos Djuric

Meine Entdeckungen 2013 – besser spät als nie

Manchmal brauche ich etwas länger um Tools für mich (wieder) zu entdecken. Um die Bandbreite dieses Blogs aufzuspannen, findet ihr hier ein Potpourri von Anwendungen, die mir in letzter Zeit begegnet sind. Alle sind in der Grundversion kostenlos verfügbar.

Netvibes Jobsuche Johanna Voll

Mit Netvibes verbinde ich klassische Monitoring-Maßnahmen, habe mir aber auch ein rein privates Dashboard angelegt, wodurch ich zu großen Teilen meine Jobsuche gesteuert habe. Zum Sammeln von RSS-Feeds finde ich es auch sehr praktisch und übersichtlich. Nachteil: Einige Such-Optionen funktionieren nicht immer.

Pluragraph BBE Johanna Voll

Pluragraph bin ich ebenfalls auf meinem jüngsten Ausflug in die Social Media-Welt in der Onlineredaktion vom BBE begegnet. Hier werden den NutzerInnen aktuelle Daten zu den diversen Netzauftritten von Non-Profits geliefert. Es gibt auch Rankings und Übersichten zu den Themenfeldern Organisationen, Politik, Kultur und Verwaltung. Jona Hölderle, einer der Gründer, bloggt zum selben Thema bei Pluralog.

zotero Johanna Voll

Nach besagtem Ausflug zog es mich wieder an die Uni zurück, wo ich nun Seminare vorbereite und mich vor interessanten Büchern, Artikeln und Aufsätzen kaum retten kann. Zunächst habe ich tatsächlich mit einem Zettelkasten à la Luhmann geflirtet, mich aber doch schnell für Zotero entschieden: Ein Literaturverwaltungsprogramm, welches sich ebenso im Web wie auch fest installiert bedienen lässt. Neben den bibliografischen Angaben können Notizen zu den einzelnen Publikationen gespeichert werden.

Dropbox Johanna Voll

Last but not least: „Warum erst jetzt?“ Das habe ich mich vor ein paar Monaten so oft gefragt, als ich endlich Dropbox entdeckte. Sicher, gehört hatte ich schon von dieser Lösung, bei der die NutzerInnen von überall Zugriff auf ihre (in der Dropbox abgelegten) Daten haben, aber die aktive Testphase stand noch aus. Nachdem das Hin und Her mit verschiedenen USB-Sticks mich wahnsinnig gemacht hat, arbeite ich nun effektiv mit verschiedenen Endgeräten. Das gemeinsame Bearbeiten von Ordnern und Teilen größerer Datenmengen nutze ich eher wenig.

Warum eigentlich „Herzblutfaktor“?

Die Idee zu diesem Blog-Projekt beschäftigt mich schon lange. Mit der Umsetzung war das so eine Sache…

Schon während meines Studienabschlusses begab ich mich auf Jobsuche. Einige meiner ehemaligen KommilitonInnen hangelten sich bereits von Projekt zu Projekt oder mussten schließlich doch beim Amt der Ämter, dem Jobcenter, als KundIn unter Vertrag gehen. Ich war damals fest davon überzeugt, dass jedeR, der/die sich nur doll genug anstrengt, wenn nicht den Traumjob, dann wenigstens einen anständig bezahlten Job finden wird. Nach meinen ersten 50 Bewerbungen stellte sich auch bei mir eine gewisse Resignation und Ernüchterung ein. Ich hatte den neuen Hosenanzug für Bewerbungsgespräche wohl umsonst gekauft.

Damit einher ging die Idee über meine Erfahrungen zu schreiben und mich mit anderen auszutauschen. In vollem Bewusstsein, dass depressives Rumgeheule in der Öffentlichkeit nicht die erwünschten Ergebnisse (spannende Diskussionen, Erfahrungen in der Social Media-Welt und letztendlich ein Job) bringen würde, sollte der Herzblutfaktor meine Jobsuche auf minimal humoristische, vor allem aber informative Weise begleiten. Meine Zielgruppe waren all die anderen angeblich hochqualifizierten EndzwanzigerInnen aus der Generation Praktikum 2.0. Diese haben in der Regel einiges auf dem Kasten, können das aufgrund mangelnder Chancen jedoch niemandem zeigen. Als Frau gilt man zudem schnell als „tickende Zeitbombe“, die jederzeit schwanger werden könnte und damit ein viel zu großes Ausfallrisiko darstellt. Entfristete Arbeitsverträge rücken in weite Ferne – eine steigende Geburtenrate aber auch.

jobcenter Johanna Voll

Mit dem Jobcenter im Nacken verbrachte ich ein paar triste Monate. An guten Tagen war ich mir meiner vielfältigen Soft Skills und Potentiale durchaus bewusst, blickte zuversichtlich auf den vor mir liegenden Tag und setze mich voller Tatendrang an den Rechner um sämtliche Jobbörsen der sozialwissenschaftlichen Welt unsicher zu machen. An schlechten Tagen zählte ich in meiner Excel-Datei die offenen meiner abgeschickten Bewerbungen (im Dezember 2012: 100) und lenkte mich mit (schlechten) US-amerikanischen Serien ab bis ich ins Medienkoma fiel. Natürlich gab es hier und da mal „Projekte“, die mich zum Glück nicht komplett verzweifeln ließen, aber der Job mit Herzblutfaktor ließ auf sich warten.

Neuen Aufschwung, im Leben, wie auch beim Blog-Projekt, brachte eine Weiterbildung (vom Jobcenter durch einen Bildungsgutschein finanziert) zur Social Media-Redakteurin bei Cimdata, die ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann. Im Projektmanagement-Kurs erstellte ich SWOT-Analysen und Gantt-Diagramme zum Launch von Herzblutfaktor.de. Die Kursinhalte vom Social Media Marketing-Kurs halfen mir beim Erstellen meiner weiteren Auftritte im Netz. Ich war bereit. Der Countdown lief.

Parallel dazu lief meine aktive Jobsuche auf vollen Touren. Es waren nun 150 abgeschickte Bewerbungen. In einer verzweifelten Tat machte ich das, was ich eigentlich nie wieder tun wollte: Ich bewarb mich um eine Praktikumsstelle. Diese führte mich dann in eine Onlineredaktion. Ich bin wirklich glücklich und dankbar über die Erfahrungen, die ich dort sammeln konnte. Ich habe viel gelernt und tolle (bleibende) Kontakte geknüpft. Der tatsächliche Berufseinstieg jedoch kam schnell und unerwartet: Meine Professorin, die auch meine Masterarbeit betreut hat, wies mich auf eine offene Stelle an ihrem Lehrstuhl hin. Das war die letzte Bewerbung, die ich abgeschickt habe.

Weg Hiddensee Johanna Voll

Der Launch für Herzblutfaktor.de verzögerte sich durch technische Probleme, einen Mangel an Zeit und den Fakt, dass mein ganze Konzept irgendwie nicht mehr hinhaute: Ich habe mittlerweile einen ausfüllenden Job sowie ehrenamtliche Tätigkeiten mit Herzblutfaktor. All die bissigen Jobcenter-Geschichten müssen nun von anderen geschrieben werden. Eine ursprünglich angedachte Kategorie werden ich wohl dennoch beibehalten: Die schönsten Absagen. Auch heute trudeln gelegentlich Absagen ein – auf Bewerbungen, die ich irgendwann 2012 abgeschickt habe.

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