Berufe, Berufung, Neue Arbeit und der Herzblutfaktor

Irgendwann zum Ende der Schulzeit stand ein Termin im Berufsinformationszentrum (BIZ) auf dem Programm. Eingebunden war auch ein Online-Test zum Eingrenzen der angestrebten Berufswahl. Laut diesem sollte ich dann nun Architektin werden (ging nicht, denn meine Mutter ist das und ich hatte meine „ich bin grundlegend gegen alles, was meine Eltern wollten“-Phase noch nicht überwunden). Platz zwei war Floristin. Aber da ich mit Blumen und Pflanzen bis zu diesem Punkt so gar keine Berührungspunkte hatte, kam das auch nicht in Frage. Mit meinem Einserabi wäre mir womöglich auch ein Zacken aus der Krone gefallen, wenn ich eine Ausbildung angefangen hätte.

Und dennoch hatte ich einen bunten Blumenstrauß an Ideen. Irgendwas mit Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften, Soziologie oder Sozialwissenschaften. Was der Unterschied bei den Letztgenannten war, konnte mir die Dame vom BIZ nicht erklären und so bewarb ich mich einmal quer durch die Republik auf diverse Magisterstudiengänge mit wilden Kombinationen.

Nach einem längeren Aufenthalt in den USA, zog ich nach Halle, um IKEAS zu studieren. Das hat jedoch nix mit IKEA zu tun, aber war sehr ähnlich wie deren Untergeschoss aufgebaut. Von allem ein bisschen, aber nix so richtig, dafür eine Fülle an Disziplinen und Themen. Auf meinem Zeugnis stand dann also ein Abschluss in „Interkulturelle Europa- und Amerikastudien mit dem Schwerpunkten USA und Lateinamerika“. Fun Fact: Meine jetzigen Tätigkeiten haben mit den eigentlichen Studieninhalten ziemlich wenig zu tun. Spannend war es trotzdem.

Neue Arbeit – neue Kultur

Genauso spannend sind die Gespräche mit meiner Tochter. Sie wächst in dem Bewusstsein auf, dass es nicht den einen Job für sie geben wird und ich bin mir recht sicher, dass die Berufe, die sie mal haben wird, noch gar nicht erfunden wurden. Die „Neue Arbeit“, oder zumindest das Schlagwort, ist allgegenwärtig. Doch nur wenige Unternehmen und Organisationen setzen sie konsequent oder im Sinne des Erfinders um. Es geht dabei um nichts anderes als die Abschaffung der Lohnarbeit, so wie wir sie kennen. Im Zentrum steht das, was wir wirklich, wirklich wollen. Um das aber überhaupt zu erkennen, braucht es Freiräume, Vertrauen und absichtsloses Ausprobieren. Die allgegenwärtige Armut an Begierde und veralterte Glaubenssätze stehen da leider noch zu oft im Weg und so erlauben sich viele gar nicht erst (groß) zu träumen.

Das gilt phasenweise durchaus auch für mich, aber ein wenig von allem oben genannten bin ich dennoch geworden: Soziologin, Kulturwissenschaftlerin, Sozialwissenschaftlerin, kunst- und kulturgeschichtlich interessierte Architektin und irgendwie auch Floristin:

In meinen diversen Projekten forsche ich zu neuen (Arbeits-)Räumen, vor allem aber den Menschen darin und was diese motiviert sich zu neuen Gemeinschaften zusammen zu finden und vermittle das auch mit viel Freude meinen Studierenden. Ich baue eine alte Brauerei zu einem kollaborativen Arbeitsort um, stehe aber auch mal hinter unserer Schwemme-Bar oder kuratiere Veranstaltungen. In meinem Garten (mit Tiny House und Kompostthron) erforsche ich die Möglichkeiten und Grenzen der Permakultur. Insgesamt also ein bunter Blumenstrauß, der stets neue Formen annimmt.

Einen Überblick über all das habe ich hier zusammengestellt: johannavoll.de

Foto: Andi Weiland | openTransfer.de (CC by nc)

Wochenendgedanken

In der letzten Woche habe ich mehrmals verwundert festgestellt, wie sehr auch Dank der sozialen Medien, Selbst- und Fremdwahrnehmung gesteuert und verändert werden können. Ich bin ein äußerst positiv gestimmter Mensch – manchmal gar mit Hang zur Naivität und mein Leben ist so ziemlich eins von den geilsten. Wenn es anders wäre, würde ich ja was verändern. Dennoch sind meine Augenringe an diesem Freitagabend dunkel, der Rücken schmerzt und die eine düstere Wolke schwebt bedrohlich nah heran. Das liegt nicht am Freitag per se – es ist immer allerhand los. Zum Glück weiß ich, was mir jetzt gut tut und dass irgendwo hinter der Wolke die Sonne lacht.

Aktiviere Notfallplan

Seit bald einem Jahr hat es mich erwischt. Ich bin infiziert und eine schnelle Heilung ist nicht in Sicht. Das Gartenfieber hat mich fest im Griff. Im Winter wurde geplant, vermessen und recherchiert. Das gute Wetter ließ auch schon im Februar den ein oder anderen Einsatz zu. Der Garten ist dabei nicht nur mein Rückzugsort zum Schreiben der Diss in der kleinen Schreibhütte, sondern auch die ultimative Entschleunigung vom hektischen Pendeln zwischen Frankfurt (Oder), Berlin und Halle. Ein Ort zum Ankommen und Sein. „Sich zu erden“ bekommt hier eine andere Bedeutung, die auch damit zu tun hat den Dreck wieder unter den Fingernägeln rauszubekommen. Beim Harken, Schnippeln, Zupfen und Buddeln denke ich an so ziemlich nix. Da macht es auch nichts, dass ich nicht unbedingt einen grünen Daumen habe. Auch hier gilt: Der Weg ist das Ziel.

Nein heißt nein.

Lernen „nein“ zu sagen ist für mich immer noch nicht einfach. Der Umgang mit Menschen, die mein mit mir selbst hart erkämpftes Nein nicht akzeptieren können, noch schwerer. Das zurückbleibende  Schuldgefühl ist nicht gesund und ich würde mir wünschen, mich dann nicht mehr rechtfertigen zu müssen. Das würde einiges einfacher machen.

Ich sitze im ICE nach Hause und freue mich drauf, die ersten Tomaten vorzuziehen, morgen die Thermoskanne mit heißem Tee zu füllen und dann „ab in den Jartn“!

2019: Neue und alte Projekte – Meine Jahreshighlights

Im letzten Jahr war so viel los, wie noch nie. Auch wenn ich mich in der nächsten Zeit primär zum Schreiben zurückziehen werde, steht auch 2019 schon einiges an, worauf ich mich freue. So kommt hier einiges zusammen, wofür in den letzten Jahren die Basis gelegt wurde. Daher habe ich auch keine guten Vorsätze. Die gehen oft genug nach hinten los. Ich freue mich in diese Projekte weiterhin Energie zu investieren:

#RGCS2019 in Barcelona und Coworking Library

Im Januar findet das dritte Symposium “Creativity and (Co-)Creation in Changing Cities: collectively organizing for new modes of production and innovation” der Research Group Collaborative Spaces (RGCS) in Barcelona statt. Ich bin dabei und werde die neueste Coworking-Forschung aufsaugen. Außerdem werden wir neue Features der Coworking Library veröffentlichen und so endlich die erweiterte Suchfunktion zur Online-Datenbank rund um Coworking-Publikationen zur Verfügung stellen. Im März folgt dann auch gleich die deutsche Coworking-Konferenz in Mannheim – natürlich auch in diesem Jahr mit dem Coworking-Quiz, das ich moderieren werde.

Coworking Library Banner

#CoopsViadrina II im Sommersemester 2019

Im kommenden Semester möchte ich mit Viadrina-Studierenden an einer neuen Auflage von #CoopsViadrina arbeiten. Mit dem Schwerpunkt “Arbeit und Coops” schließen wir an die erfolgreiche erste Ausgabe des englisch- und deutschsprachigen Magazins an, die das Thema Plattformkooperativismus zunächst greifbar gemacht hat. Aber auch in der platform-coop-Welt ist im letzten Jahr viel passiert. Ich freue mich auf ein erneutes Eintauchen in diese Thematik und all die Menschen, die sich darin engagieren.

#Podcast

Auf die Ohren gibt es auch immer mehr. Als Host der Podcasts zum Thema “Community” aus der Reihe “Coworking Values” auf OuiShareRadio produziere ich auch 2019 weitere Aufnahmen. Unterstützung erhalte ich dabei von meinen Studierenden und bin gespannt, mit wem ich in den kommenden Monaten dazu sprechen werde. Für Tipps und Ideen zu spannenden Gesprächspartner*innen, bin ich dankbar und offen.

#Halle (Saale)

In meiner neuen alten Heimat Halle fasse ich immer mehr Fuß. Das neu eingerichtete Arbeitszimmer und die Schreibhütte im Garten entschädigen zumindest etwas für das weitere Fehlen eines Coworking Spaces (kommt aber bald ;-)). Mit der Schwemme-Brauerei gehen wir ebenfalls große Schritte in diese Richtung und starten 2019 mit den großen Bauvorhaben am Gebäude. Auch die Patchwork-Familie wächst zur Mitte des Jahres und ein neues Würmchen wird unser Leben noch mehr durcheinander wirbeln. In diesem Sinne: Frohes Neues!

Plattformkooperativismus, #CoopsViadrina und eine neue politische Diskussionskultur

Wer mich kennt, weiß, dass die letzten Jahre für mich immer wieder geprägt waren von der Suche nach Gemeinschaft und alternativen Organisationsformen. In der Coworkingwelt habe ich viele Antworten auf meine Fragen gefunden und versuche diese nun intensiv beim Schreiben meiner Dissertation zu reflektieren. Besonders haben es mir dabei genossenschaftliche Coworking Spaces angetan. Aber auch in die Platfom Coop-Bewegung bin ich teilweise tief eingetaucht. Ich habe vor einem Jahr mit vielen Kooperationspartner*innen ein Magazin zu dem Thema herausgegeben und möchte auch in Zukunft mit meinen Studierenden dazu forschen und experimentieren.

Plattformkooperativismus: Genossenschaften + digitale Technologien neu gedacht

Zuletzt war ich zur Open Coop-Konferenz im Sommer 2018 in London – dem Klassentreffen der europäischen Platform Coop-Bewegung. Die Tage waren gefüllt mit spannenden Gesprächen, Vorträgen und Workshops. Die kollektive Brainpower erfüllte trotz großer Hitze die Comway Hall und ich bin mir sicher, dass nicht nur ich mit vielen neuen Ideen und Impulsen abgereist bin. Eine davon ist die feste Absicht eine zweite Ausgabe von #CoopsViadrina zu produzieren und zwar mit allen, die mitmachen wollen. Dazu gibt es eine bestehende Loomio-Gruppe, in die ihr gerne kommen könnt um gemeinsam eine sinnvolle Vorgehensweise abzustimmen.

Nun freue ich mich darüber, dass das Thema auch politisch wahrgenommen wird und möchte an dieser Stelle auf diese Aufzeichnung zum Thema „Solidarität im digitalen Kapitalismus“ verweisen.

Video: Impuls – Solidarität im digitalen Kapitalismus

An der Diskussion haben sich auch viele meiner Weggefährt*innen – direkt oder im Geiste – beteiligt. Mit dabei sind Markus Sauerhammer vom Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND) oder ein Vertreter von FairmondoEla Kagel vom Supermarkt Berlin, die mit mir gemeinsam den oben genannten Kurs konzipiert hat, betonte den Stellenwert von internationalen Gründungen und Organisationsformen, wo sie dringenden politischen Handlungsbedarf sieht.

Bislang sind viele Platform Coop-Projekte noch nicht realisiert, aber schon ziemlich weit gedacht. Jetzt ist es an der Zeit zu handeln und sich weiter zu vernetzen. Die Berliner Platform Coop-Gruppe ist dabei eine wichtige Adresse und trifft sich regelmäßig im Supermarkt Berlin.

Impulsmarkt: Coworking-Forschung auf der #Cowork2018

Vom 9.-11. März 2018 fand in Bremen die deutschsprachige Coworking-Konferenz #Cowork2018 statt. Dazu eingeladen haben die German Coworking Federation e.V. (GCF) und Weserwork. In einer Impulsmarkt-Session habe ich als Vertreterin der GCF einen Überblick über aktuelle Forschungsprojekte und mögliche Mehrwerte für die Coworking-Szene gegeben. Diskutiert wurden vor allem mögliche Themen und Forschungsinteressen aus Sicht der Betreiber*innen, Unternehmen und Coworker*innen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse lest ihr hier.

Coworking ist so neu – dazu gibt es doch gar nichts!

Themen rund um die neue Arbeitswelt sind allseits beliebt, momentan sogar Thema des Wissenschaftsjahres 2018 und manche Coworking Spaces nahezu “überforscht”. Da aber ganz verschiedene Disziplinen (u.a. Soziologie, Psychologie, Kulturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Stadt- und Raumplanung, Architektur) auf das Thema mit unterschiedlichsten Fragestellungen schauen, sehe ich vor allem in Hinblick auf die qualitative Forschung noch viele offene Aspekte. Viele davon vereint die Frage nach der Community und den (sozialen) Praktiken in einem kollaborativen Arbeitsort oder: Was machen die da eigentlich und warum?

Bitte nicht noch ein Fragebogen mit den gleichen Fragen

Mit dem Global Coworking Survey, der jährlich von Carsten Foertsch (Deskmag) erhoben wird, haben wir die umfangreichsten quantitativen Daten zur Nutzung von Coworking. Hier findet ihr eine Übersicht der Ergebnisse. Bei Interesse an Einzelaspekten lohnt sich eine Anfrage an Carsten.

Leider bekommen Spacebetreiber*innen, aber auch Nutzer*innen immer wieder die gleichen Anfragen von Studierenden und Forschenden – oft in Form einer Fragebogenerhebung. Hier sind sich die Teilnehmenden der Cowork einig: Es nervt, immer die gleichen Fragen zu beantworten. Hier kann also gut auf den Global Coworking Survey oder die Übersicht von Ramon Suarez (Coworking Handbook) verwiesen werden. Selbst wenn man sich dann durch die Onlinefragebögen geklickt hat, bekommt man von dem Ergebnis oft nichts mit. Es wäre wünschenswert wenn Forschende, sofern vereinbart, ihre Erkenntnisse auch zurückspiegeln würden. Einen wirklichen Mehrwert können daher vor allem tiefergehende Forschungen, etwa in Form einer teilnehmenden Beobachtung, einer Netzwerkanalyse oder Case Study, geben. Spacebetreiber*innen können dabei auch immer fragen: What’s in it for me? So beschreiben manche den intensiven Blick auf ihren Space als “Unternehmensberatung light” im Sinne einer weiteren Reflektionsebene und als guten “Link zwischen Theorie und Praxis”.

Welche Projekte unterstützt die German Coworking Federation e.V.?

Der Bundesverband rund um Coworking in Deutschland möchte auch hier vernetzen und Forschende mit Spaces zusammenbringen. Spannend wäre es in Zukunft eine Matching-Plattform anbieten zu können. Interessierte können sich dazu gerne an mich wenden. Außerdem unterstützen wir verschiedene Forschungsprojekte mit unserer Expertise. Zum Beispiel das Projekt Hierda der Universität Bayreuth. Weitere größere Projekte sind beim Frauenhofer IAO angedockt oder eine Studie zu Open Creative Labs in Deutschland vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung. Neben diesen größeren Forschungsprojekte, gibt es auch eine internationale Forschergruppe (Research Group Collaborative Spaces), die sich mit neuen Orten der Kollaboration beschäftigt. Viele der Publikationen finden sich auf der Webseite.

Coworking Library

Um einen Ort im Internet zu schaffen, an dem sämtliche Publikationen rund um Coworking gespeichert werden können, haben Carsten (Deskmag) und ich (GCF) gemeinsam mit vielen anderen die Coworking Library gestartet. Momentan arbeiten wir eifrig am Aufbau einer durchsuchbaren Webseite, sodass die Datenbank dann auch von allen genutzt werden kann. Zudem müssen wir noch viele der kürzlich erschienenen Publikationen einpflegen. Mit diesem Formular könnt ihr selbst Beiträge eintragen. Das Besondere an der Library: Zu allen Einträgen gibt es neben Schlagwörtern auch ein englischsprachiges Abstract, selbst wenn das eigentliche Paper auf koreanisch ist.

Was interessiert die Coworking-Community?

Die Fragen der Teilnehmenden des Impulsmarkts umfassten ein breites Spektrum: Wie wirkt sich die Arbeit in einem Coworking Space auf die Motivation und Produktivität aus? Gibt es Studien zu Innovationspotenzialen innerhalb der neuen Arbeitsorte (vs. Unternehmen)? Oder: Sind Coworker*innen glücklichere Menschen? Die meisten Teilnehmenden interessierten sich aber auch für konkret Handlungsempfehlungen – etwa für erfolgreiche Coworking Spaces in ländlichen Regionen oder Methoden der Co-Creation von Spaces. Letztendlich kann aber die Frage, wem das alles nun was bringe, nur unzureichend beantwortet werden. Im schlimmsten Fall werden all die bereits entstandenen Abschlussarbeiten nur wenig gelesen und verschwinden irgendwo im Cloudspeicher. Mit der Coworking Library wollen wir dagegen Abhilfe schaffen.

Flipchart mit gesammelten Fragen Plakat zur Session über Coworkingforschung

Empfehlenswerte Bücher für den Einstieg ins Thema bei dem/der Buchhändler*in deines Vertrauens:

Bauer, Wilhelm, Stuttgart Fraunhofer IAO, Klaus-Peter Stiefel und Stefan Rief. 2017. Coworking – Innovationstreiber für Unternehmen. Coworking – Driver of Innovation for Companies. Stuttgart: Fraunhofer Verlag.

Bender, Désirée. 2013. Mobile Arbeitsplätze als kreative Räume Coworking Spaces, Cafés und andere urbane Arbeitsorte. Bielefeld: transcript.

Pechlaner, Harald und Elisa Innerhofer. 2017. Temporäre Konzepte: Coworking und Coliving als Perspektive für die Regionalentwicklung. Stuttgart: Kohlhammer W., GmbH.

Rief, Stefan, Wolfgang. Bauer, Klaus-Peter. Stiefel und Agnes. Weiss. 2014. Faszination Coworking: Potentiale für Unternehmen und ihre Mitarbeiter = The fascination of coworking. Stuttgart: Fraunhofer Verl.

Salzburg, Coworking, Romy Sigl, Romana Hasenöhrl, Bernhard Jenny und Günther Marchner. 2017. Do what you love – The Coworking guide to the galaxy: Wie man ein weltklasse Coworking Gastgeber wird und dadurch weltklasse Menschen anzieht. 1. Aufl. Coworking Salzburg.

Schürmann, Mathias. 2013. Coworking Space: Geschäftsmodell für Entrepreneure und Wissensarbeiter. Wiesbaden: Springer Gabler.

Die COWORK 2018 startet im März in Bremen

Bald ist es wieder so weit und das deutschsprachige Klassentreffen der Coworking-Szene findet statt. Diesmal treffen wir uns vom 9.3. bis 11.3.2018 in Bremen.  Die COWORK ist eine Koproduktion der German Coworking Federation e.V. (GCF) und des Bremer Coworking Space WESERWORK. Ich werde dabei sowohl einen Input zur aktuellen Coworking-Forschung geben, als auch das Coworking-Quiz am Samstag organisieren. Zur Einstimmung hier noch meine Gedanken zu meinem liebsten Forschungsthema, zu dem mich Anja C. Wagner befragt hat:

PS: Tickets für die COWORK 2018 gibt es hier, und zwar zurzeit noch zu early bird-Preisen.

#CoopsViadrina ist online!

Im Herbst 2017 startete mit meinem Kurs an der Viadrina auch das #CoopsViadrina-Projekt. Anfangs war gänzlich unklar, wohin uns alle diese Reise bringen sollte. Das Kernthema stand fest: Wir wollten uns ein halbes Jahr mit dem sperrigen Begriff Plattformkooperativismus und den dahinterstehenden Konzepten auseinandersetzen. Nach Einblicken in die Theorie, folgte der Sprung in die Praxis und wir arbeiteten mit viel Einsatz an einem eigenen Magazin: #CoopsViadrina war geboren und ist mittlerweile hier auf Deutsch und Englisch verfügbar:

#CoopsViadrina bei slideshare: (mit Downloadoption)

#CoopsViadrina bei issue: (ohne Downloadoption)

Team hinter #CoopsViadrina

I ❤ my Job oder warum mich nach bald 5 Jahren an der Uni immer noch auf jeden Oktober und April freue

Zum Anfang von jedem neuen Semester, in dem ich an der Viadrina einen neuen Kurs konzipiere, denke ich „das wird nun aber wirklich der Coolste“. Bislang dachte ich das 12 mal. Nicht immer waren die Studierenden der gleichen Meinung und einige meiner Ideen gingen auch vollkommen nach hinten los. Dennoch nutze ich die Freiheit der Lehre um mich immer wieder neuen Themen zu widmen. Ich bin dankbar für das Vertrauen, was mir dabei von meiner Chefin entgegengebracht wird – gerade wenn mein Dissertationsprojekt sich viel zu oft auf der Rückbank wiederfindet. So fühle ich mich doch eher der Lehre als der Forschung verschrieben.

Auf dem hohen Ross der Geisteswissenschaften

Die meist kollaborativen Projekte von und mit den Studierenden sowie meine didaktische Herangehensweise an Wissensvermittlung und Forschendes Lernen, stoßen nicht immer auf offene Ohren. Auch ich merke, dass Studierende immer unsicherer werden, etwas falsch zu machen und eingespannt in die Modulstruktur weniger nach Interesse, als nach optimalen ECTS Punkten studieren. Frei nach dem Motto: „Finde den Kurs mit dem geringsten Aufwand für die meisten ECTS“. Bei mir sind sie dann oft falsch. Durch die fortschreitende Verschulung der Studiengänge sehe ich auch eine Einschränkung von Freiheiten der Studierenden. Anstelle der wirklich selbst gewählten Projekte, wird dann lieber das Praktikum für den Lebenslauf absolviert. Kreatives und absichtsloses Ausprobieren hat keinen Raum – lässt sich ja in der Bildungsbiografie nicht gut vermarkten. In jedem Fall muss man dann diese Lücken im Lebenslauf vor geldgebenden Eltern oder Bafögämtern rechtfertigen. Die Spirale des schlechten Gewissens setzt sich in Gang.

Alternativloser Weg ins erste Burnout?

Ich wünsche mir, dass es an Universitäten, aber auch allen anderen Bildungseinrichtungen und darüber hinaus, mehr Freiräume zum Ausprobieren jenseits der Jagd nach den ECTS und Zertifikaten geben würde. Kollaborative Lernorte, in denen gesponnen, geträumt, geplant und umgesetzt werden kann, gehören genauso dazu wie ein Ende des elendigen Studierenden-Bashings. Niemand der Studierenden, die bei mir Prüfungen oder Abgabefristen nach hinten verschieben ließen, tat dies ohne triftigen Grund. Meist ist mir dieser bekannt und ich habe nicht schlecht gestaunt, was für Schicksalsschläge und gesundheitliche Aspekte Menschen aus der Bahn werfen können. Vieles davon wird tabuisiert, womöglich noch sarkastisch kommentiert. Aus persönlichen Erfahrungen kann ich so einiges davon nachvollziehen, zweifle aber natürlich auch hier und da an der Prioritätensetzung der Studierenden. Nichts ist eben nur schwarz oder weiß und eine Erhöhung des (finanziellen) Drucks zwingt viele eher in unsinnige Nebenjobs als eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen im selbst gewählten Studienfach und der eigenen Leistung.

Digital ist besser!?

Das ist es doch letztendlich was wir vermitteln wollen: Die Befähigung Zusammenhänge durch verschiedene Perspektiven wahrzunehmen, zu bewerten und in neue Kontexte zu transferieren, Wissen selbst zu erschließen und sich damit kritisch auseinander zu setzen. Und immer wieder Reflektion. Digitale Technologien sind dabei hilfreich und nützlich – niemand muss mehr alles Wissen auswendig lernen, steht ja bei Wikipedia. Aber der Einsatz digitaler Medien ist noch so ein Thema, wo wir massiv hinterherhinken.

meine Studierenden

Back to the Roots #10JahrePostkult

Vor etwas mehr als 10 Jahren hat sich eine kleine Gruppe von Studierenden zusammengefunden, um in ihrer Studienstadt, Halle (Saale), kurz vor Abschluss des Studiums noch mal was auf die Beine zu stellen. Den damals gegründeten Verein, Postkult e.V.,  gibt es immer noch und er bereichert seit 10 Jahren die Kulturlandschaft Halles. Mitte Oktober 2017 soll dieses Ereignis nun gebührend gefeiert werden – und ich bin auch wieder mit am Start.

Der Anfang

An einem grauen Wintertag saßen wir beisammen – Martin, Sarah und ich. Alle waren irgendwie mehr oder weniger in der Endphase des Studiums (für Teile von uns sollte es sich noch eine Weile hinziehen) und überlegten wie wir Zugezogenen in Halle noch mal was reißen könnten. Die Stadt hat uns drei Jahre lang mit offenen Armen empfangen und wir waren seit dem ersten Semester an der Martin-Luther Universität verbunden, kulturell interessiert und überhaupt voller Elan, wie es nicht mehr so oft vorkommt im Leben. So entstand aus der ersten Idee eine Ausstellung zu organisieren schnell ein immer größer werdendes Projekt. Das Objekt der Begierde, eine alte Post im Giebichensteinviertel, wurde Schauplatz eines zweiwöchigen Festivals im Sommer 2007. Immer mehr Menschen wollten mitmachen und so wuchs das Vorhaben nahezu täglich: Konzerte (inklusive der Fete de la Musique), Partys, Lesungen, interkulturelles (Impro-)Theater, ein Kinderfest, Diskussionsrunden, unsere legendäre Bar und vieles mehr. Dazwischen gab es viele Krisentreffen (mit Wodka im 2ZKB und ohne Wodka mit Vertreter_innen der Stadt, Anwohner_innen und helfenden Händen), da das Projekt an verschiedensten Stellen zu scheitern drohte. Wie die Kings sind wir durch Clubs getingelt um Bands zu scouten, damals noch mit myspace als Basisstation im Netz. Beinahe nebenbei wurde ein Verein gegründet um Spendenbescheinigungen für unsere vielen, vielen Unterstützer_innen ausstellen zu können. Was dabei raus gekommen ist, könnt ihr hier nachlesen.

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Postkult heute: Projekte, Projekte, Projekte und ein Stadthof

Niemand von uns hätte damals gedacht, dass sich das Projekt verstetigt und mittlerweile als Dachorganisation für verschiedenste Aktionen und Projekte fungiert (hat). Einen Überblick findet sich auf der postkultigen Webseite. Nachdem ich zwischenzeitlich eine Zeit lang im Berliner Exil gelebt habe, staune ich nicht schlecht über alles, was der Verein auf die Beine gestellt hat. Die Strukturen haben sich professionalisiert und seit einigen Jahren gibt es ein festes Vereinsdomizil: Ein Stadthof in Glaucha, dem südlichen Stadtteil von Halle, der weiterhin Chancen und Möglichkeitsräume für Initiativen bietet. Mit dabei ist auch der Stadtgarten und ein Umsonstladen. Das Gebäude selbst wird von Bands und Hallenser Initiativen genutzt. Es gibt Veranstaltungsräume und regelmäßige Events. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das Fahrradkino – ein einmaliges Veranstaltungsformat, was Nachhaltigkeit mit besonderen Filmen verbindet. Auch eine Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt beherbergt das Gelände.

Mitmachen? Mitmachen!

All das funktioniert aber nur, weil es immer wieder Menschen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren. Es sind nicht mehr vorrangig Studierende, die bei Postkult aktiv sind – alle sind willkommen und können sich einfach bei Jens, dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden, melden und vorbeikommen – zu den regelmäßigen Mitgliederversammlungen, im Stadtgarten, den Veranstaltungen und am besten zur großen Geburtstagssause. Diese findet am 13. und 14. Oktober 2017 auf dem Gelände im Böllberger Weg 5 in Halle (Saale) statt. Genaue Infos gibt es hier: Facebook-Veranstaltung. Ich werde in den nächsten Wochen rund um den 10jährigen Geburtstag so manche Anekdote aufschreiben und mit euch teilen.

 

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